Terminologierecherche mit Google Patents

Terminologierecherche mit Google Patents

In diesem Beitrag werde ich anhand von Beispielen erklären, wie Google Patents zur Suche von Patenten und zur Terminologierecherche verwendet werden kann, die in zwei (oder mehr) Sprachen angemeldet wurden. Bis zu einem gewissen Grad kann das gleiche Ziel natürlich auf mit einer Suche auf Espacenet (Espacenet ist die Datenbank des Europäischen Patentamts, EPO) oder eine Suche in den Datenbanken anderer Patentämter (DMPA, USPTO usw.) erzielt werden. Ich finde jedoch, dass Google Patents die besten Suchergebnisse bei einer Volltextsuche erreicht. Außerdem ist Google Patents auch die einzige Suchmaschine, die Paragrafen gleichzeitig in zwei Sprachen anzeigen kann. Näheres dazu weiter unten.

Die Beispiele und Screenshots sind von der englischen Version von Google Patents, da das Layout der deutschen Version etwas gewöhnungsbedürftig ist (zumindest für mich).

Hinweis: Google speist manchmal seine eigenen maschinell übersetzten Seiten oder die anderer automatischer Übersetzungen wieder in die Suchergebnisse ein. Deshalb ist Vorsicht geboten, und es wird eine weiterführende Recherche empfohlen. Google unterscheidet auch nicht zwischen grottenschlechten (und manchmal auch ganz falschen) und ausgezeichneten Übersetzungen. Hier kommt natürlich die Erfahrung und Expertise der jeweiligen Übersetzerin bzw. des jeweiligen Übersetzers zum Tragen.

Hinweis: Aufgrund verschiedener Vorschriften und Konventionen in verschiedenen Ländern gibt es nicht immer eine exakte Übereinstimmung zwischen verschiedenen Sprachversionen der gleichen Erfindung. Manche Patentämter erlauben zum Beispiel mehrfach abhängige Ansprüche, die wiederum von mehrfach abhängigen Ansprüchen abhängen. Bei anderen Ämtern ist dies verboten und das betreffende Patent muss umstrukturiert bzw. umgeschrieben werden. Hier kommt wiederum die übersetzerische Erfahrung und fachliche Expertise zum Tragen.

Vorsicht: Wenn Sie etwas in eine öffentliche Suchmaschine wie Google eingeben, verletzen Sie möglicherweise Geheimhaltungsabkommen, da Google die eingegebenen Informationen nicht vertraulich behandelt.

Suche nach Patenten in zwei Sprachen

Nehmen wir an, wir wollen nach Patenten in der Sprachkombination Englisch-Deutsch suchen, wobei Deutsch die Quellsprache sein soll und das Patent ins Englische übersetzt wurde. Dies kann bei der Terminologierecherche, zum Beispiel bei der Übersetzung eines anderen Patents vom Englischen ins Deutsche, nützlich sein. In diesem Fall ist es besser, nach bestehenden Patenten bzw. Anmeldungen zu suchen, die in Deutschland (oder Österreich oder der Schweiz) eingereicht wurden und danach vom Deutschen ins Englische übersetzt wurden, da deutschsprachige Erfinder bzw. Fachleute die Terminologie auf Deutsch beherrschen. Natürlich sind andere Sprachkombinationen und Szenarien möglich. Ich bleibe hier jedoch beim obengenannten Englisch-Deutsch-Szenario, um konkrete Beispiele bieten zu können.

Suchen wir also als Beispiel nach Patenten über „Fahrradnavigationssysteme“ (auf Englisch „bicycle navigation systems“) in dieser Sprachkombination. Hierzu geben wir den Suchbegriff „bicycle navigation“ in das Suchfeld auf Google Patents ein, auf Englisch und in Anführungszeichen, da wir nach dem gesamten Begriff auf Englisch suchen wollen. Weitere Informationen zur Suchsyntax auf Google Patents finden Sie weiter unten.

Google-Patents-Suchfeld

Google-Patents-Suchfeld

Nach Anklicken der Schaltfläche zum Suchen werden die folgenden Ergebnisse angezeigt:

Google-Patents-Suchergebnisse

Google-Patents-Suchergebnisse mit erweiterten Suchoptionen in der linken Spalte.

Wie Sie sehen, werden in der linken Spalte erweiterte Suchoptionen angezeigt, die wir nun Eingrenzung der Suchergebnisse auf Patente verwenden werden, die in der gewünschten Sprachkombination verfügbar sind. Die gezeigten Suchergebnisse sind natürlich auf Englisch, da wir einen Suchbegriff auf Englisch eingegeben haben. In Fällen, in denen ein Suchbegriff in mehreren Sprachen interpretiert werden kann, können die Ergebnisse auch Dokumente in anderen Sprachen umfassen, aber das ist dann anhand der angezeigten Textauszüge offensichtlich. Wir wollen also nun die Suchergebnisse auf Dokumente eingrenzen, die ebenfalls auf Deutsch verfügbar sind. Eine Möglichkeit hierzu ist die Auswahl der Option „German“ im Dropdown „Language“ (im Screenshot oben rosa markiert). Ich persönlich habe es jedoch nützlicher gefunden, stattdessen das deutsche Patentamt „DE“ (oben rot markiert) zu wählen, da dies die Ergebnisse auf Patente eingrenzt, die nicht nur auf Deutsch übersetzt wurden bzw. gleich auf Deutsch verfasst wurden, sondern auch in Deutschland eingereicht wurden. Dies ist bei der Terminologierecherche hilfreich, da die ursprünglich auf Deutsch verfassten Patente meist von Erfindern bzw. Fachleuten mit deutscher Muttersprache geschrieben wurden.

Eingrenzung der Suchergebnisse nach Patentamt

Eingrenzung der Suchergebnisse nach Patentamt

Das Ergebnis der Suche nach Patentamt zeigt tatsächlich Patente an, die vermutlich von deutschen Muttersprachlern geschrieben wurden (den Namen nach zu schließen).

Suchergebnisse nach Patentamt

Suchergebnisse nach Patentamt

Durch Anklicken des Titels eines Patents wird dieses Patent angezeigt. Das Patent wird mit Zusammenfassung und (gegebenenfalls) Volltext samt Figuren angezeigt. Außerdem werden noch die Klassifizierung, die Namen der Erfinder, verschiedene Daten, zugehörige Literatur und Links zum Originalpatent im jeweiligen Patentamt (Espacenet und DMPA im Beispiel unten) angezeigt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Links zur Suche nach einschlägiger Technik und Patenten zum Stand der Technik.

Einzelanzeige eines Patents in Google Patents

Einzelanzeige eines Patents in Google Patents

Suchsyntax

Die Suchsyntax von Google Patents ist relativ einfach:

  • Suchbegriffe werden durch Leerzeichen getrennt. Google sucht dann nach diesen Begriffen samt Variationen (wie Endungen usw.).
  • Um nach einem exakten Begriff zu suchen, geben Sie diesen in (englischen) „Anführungszeichen“ ein.
  • Um nach einem exakten Begriff mit einem Platzhalter für Alternativen zu suchen, geben Sie diesen in (englischen) Anführungszeichen mit dem Platzhalterzeichen * ein.
    Beispielsweise ergibt die Suche nach „bicycle * system“ Resultate, die „bicycle navigation system“, „bicycle brake system“ , „bicycle drive system“ usw. enthalten.

  • Um nach alternativen Begriffen zu suchen, trennen Sie diese durch das Wort OR (großgeschrieben, auf Englisch).
  • Um einen Begriff von der Suche auszuschließen, geben Sie vor diesem Begriff einen Bindestrich ein:
    -„ohne dieses Wort“. (Dieses Beispiel gibt alle Ergebnisse zurück, die den Begriff „ohne dieses Wort“ nicht enthalten.)

Die Dropdownoptionen in der erweiterten Suche sind selbsterklärend.

Terminologierecherche

Dies ist für Sprachmittler besonders nützlich. Unten im Screenshot wird gezeigt, was geschieht, wenn Sie mit der Maus auf einen bestimmten Textabschnitt zeigen. Google zeigt den übersetzten Text (bzw. im illustrierten Fall den Originaltext) für diesen Textabschnitt überblendet an. Sie können so die zwei Sprachen sofort vergleichen. Google hebt außerdem die eingegebenen Suchbegriffe, in diesem Fall „bicycle navigation“ in einer anderen Farbe hervor (meist cyan, rosa, rot, lila oder eine ähnliche Farbe).

Zweisprachige Anzeige in Google Patents

Zweisprachige Anzeige in Google Patents

Leider ist das gezeigte Beispiel zur Terminologierecherche nicht geeignet, da der englische Text maschinell aus dem Deutschen übersetzt wurde, wie durch den hellgrauen Text „translated from German“ („aus dem Deutschen übersetzt“) über der Beschreibung und den Ansprüchen angedeutet.

Am Ende muss der Sprachmittler über ausreichende sprachliche und fachliche Expertise verfügen, um Google Patents richtig einzusetzen. Für Fachleute kann die Suchmaschine jedoch bei der Terminologie- und Patentrecherche sehr nützlich sein.

Carola F Berger

Website: https://www.cfbtranslations.com

Carola F. Berger ist eine Patentübersetzerin für die Sprachen Englisch und Deutsch mit einem Doktorat in Physik und einem Abschluss als Diplom-Ingenieurin der Technischen Physik. Sie ist von der American Translators Association für Übersetzungen vom Deutschen ins Englische und vom Englischen ins Deutsche zertifiziert. Carola ist derzeit als Webmaster im Vorstand der Northern California Translators Association und Administratorin von ATAs Science and Technology Division.

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